Eine freie Trauung ist eine Hochzeitszeremonie, die niemandem gehört außer euch. Keine Kirche, keine Behörde, keine Vorlage. Jemand steht vorne und redet über euch - und was dabei passiert, entscheidet ihr.
Das klingt banal. Ist es aber nicht, wenn man sich anschaut, was die Alternativen sind.
Was sie nicht ist
Sie ist nicht die standesamtliche Trauung. Das Standesamt ist in Deutschland Pflicht, wenn ihr rechtlich verheiratet sein wollt. Daran ändert eine freie Trauung nichts.
Sie ist nicht kirchlich. Es gibt kein Gebet, keinen Segen und keine Institution im Hintergrund - außer ihr wollt das ausdrücklich, dann geht auch das.
Und sie ist nicht rechtsgültig. Ihr seid danach nicht verheiratet. Ihr seid gefeiert.
Mehr dazu: Standesamt und freie Trauung, was ihr wirklich braucht
Die Aufteilung, die dahintersteckt
Das Standesamt macht euch verheiratet. Die freie Trauung macht daraus eine Hochzeit.
Zwölf Minuten Termin, zwei Zeugen, eine Unterschrift - das ist der rechtliche Teil, und der ist schnell erledigt. Alles, was ihr euch von einer Hochzeit erhofft, passiert nicht dort.
Deshalb machen es viele Paare inzwischen so: Standesamt an einem Wochentag, klein und unaufgeregt. Und dann die eigentliche Hochzeit an einem Tag, den sie selbst gebaut haben.
Die Trauung ist nicht das Vorprogramm
Das ist der Punkt, an dem die meisten Paare umdenken.
Auf einer Hochzeit gibt es Essen, Musik, Deko, Fotos, Reden und Tanz. Fast alles davon lässt sich planen, vergleichen und einkaufen. Die Zeremonie ist der eine Teil, in dem etwas passiert, das man nicht bestellen kann - vierzig Minuten, in denen alle im Raum gleichzeitig zuhören und euch ansehen.

Die Trauung ist nicht das Vorprogramm. Sie ist der Grund, warum alle da sind.
Und trotzdem ist sie der Posten, bei dem am häufigsten gespart wird.
Was dabei tatsächlich passiert
Es gibt einen Einzug. Es gibt eure Geschichte. Es gibt das Ja-Wort, die Ringe und den Kuss.
Was dazwischen passiert, ist offen. Ihr könnt ein Ritual haben oder keins. Ihr könnt eure Gäste einbeziehen oder sie einfach zuschauen lassen. Ihr könnt lachen, heulen, singen oder alles auf einmal.
Eine Zeremonie dauert bei mir 35 bis 45 Minuten. Nicht länger, weil danach niemand mehr zuhört. Nicht kürzer, weil man in zwanzig Minuten keine Geschichte erzählt.
Mehr dazu: Wie eine freie Trauung abläuft
Und: Rituale für die freie Trauung
Wo das stattfinden kann
Überall. Es gibt keine Vorschrift, keinen zugelassenen Ort, keine Genehmigung, die eine Behörde erteilen muss.
Weinberg, Waldlichtung, Scheune, Berggipfel, Hinterhof, Wohnzimmer, Fußballplatz. Wenn der Eigentümer einverstanden ist, geht es.
Wer das macht
Eine Traurednerin oder ein Trauredner. Der Beruf ist in Deutschland nicht geschützt, es gibt also keine vorgeschriebene Ausbildung - was bedeutet, dass ihr genau hinschauen solltet, wem ihr das anvertraut.
Was ihr fragen könnt: Wie viele Trauungen im Jahr? Wird die Rede neu geschrieben oder angepasst? Wie viele Gespräche gibt es vorher? Und darf ich vorher lesen, wie diese Person schreibt?
Was es kostet
Zwischen ein paar Hundert und ein paar Tausend Euro, je nachdem wie viel Arbeit dahintersteckt.
Mehr dazu: Was eine freie Trauung kostet
Und für wen ist das jetzt?
Für Paare, die keine Kirche wollen und beim Standesamt das Gefühl hatten, in einer Warteschlange zu stehen.
Für alle, die etwas mitbringen, das in kein Standardprogramm passt: ein Fandom, einen Verein, eine Serie, eine Musik, eine gemeinsame Geschichte, die zu gut ist, um sie nicht zu erzählen.
Und für alle, die einfach wollen, dass es sich echt anfühlt.
Mehr über die freie Trauung bei mir
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